„Faust“ von Goethe gilt als eines der bedeutendsten und meistzitierten Werke der deutschen Literatur. „Faust“ nicht gelesen zu haben gilt als Wissenslücke. Diese Lücke allerdings wird umrahmt von einem Vorwissen, welches sich aus Fragmventen und Zitaten, wie Sekundärliteratur, Film und Theater, bildet. Im ersten Abschnitt der zweiteiligen Performance nehmen wir (Luise Rüdiger und Viktor Petrov) unser individuelles Vorwissen zu „Faust“ als Gegenstand unseres Gesprächs.

 

Aufbau und Ablauf:

Zwei Tische, zwei Stühle, wir sitzen mit den Rücken zueinander im Abstand von 20 Metern in den zwei großen Ausstellungsräumen der Galerie und zeichnen auf zwei Papierrollen. Wir sind telefonisch miteinander verbunden, allerdings räumlich und visuell voneinander getrennt. Das Telefonat wird über Kopfhörer ausgeführt, dadurch entsteht eine auditive Abkapselung von der Umgebung. Jeder Abschnitt der Performance dauert 90 Minuten. Im Gespräch wird versucht das Werk zu rekonstruieren.

Durch das gesprochene Wort findet eine Bilderproduktion statt und diese wird skizziert. Hierbei kommt es zu einem Zustand der Abkoppelung von Gedanken und der Handlung des Zeichnens.

Zwischenzeit (2 Wochen): Das Buch wird gelesen.

 

Im zweiten Teil der Performance begeben wir uns in den gleichen Aufbau. In der Zwischenzeit sind spezifische Vorstellungen zu dem Gelesenen entstanden und die Erzählung hat sich vervollständigt(?). Diesmal erfolgt beim Gespräch ein Austausch über das Buch und die dabei entstandenen mentalen Bilder. Es wird auf den gleichen Papierrollen weiter gezeichnet.

Unmittelbar nach der zweiten Performance werden die Zeichnungen zwischen zwei der Säulen im Ausstellungsraum als Banderole gespannt.

 

Unsere Körper dienen als Bindeglieder zwischen Innen und Außen. Zusätzlich zum gehörten Wort wird die Umgebung aufgenommen und mit der inneren Welt vereinigt. Der Körper ist gleichzeitig rezeptiv und produktiv. Dagegen hat der Ausstellungsraum oft einen kontemplativen Charakter. Die mentalen Prozesse können von außen nicht wahrgenommen werden, werden aber durch die Zeichnung auf der Papierrolle fixiert. Mit den Zeichnungen wird nicht den Inhalt des Buchs illustriert oder die Umgebung wiedergeben, sondern Gedankenströme festgehalten. Es entsteht eine Art bildliches Seismogramm. Die spiegelt die Fragen nach der Wissen- und Kulturproduktion in einem kollektiven Bewusstseins als auch nach der Vergegenwärtigung von Wort und Bild in einem körperlichen Zustand des ostentatives Rezipierens und Handelns.